Westend ( 1979 ) 

01.  Westend  02. Die Einsamkeit  03. Herren  04. Die Melodie  05. Ach Gnädigste
06. Weil du nicht bist wie alle andern  07. Sie nennen mich Tunte  08. Salambo
09. Eine Insel  10. Die Frau am Fenster  11. Wenn ich sing'

 

 

 

 

 

Westend

Kalte Kaffeetassen

reden von der Nacht.

Sänger gibt es überall,

und mir fällt ein:

´bist nicht allein.


Kinder spielen Blödmann,

Frauen kaufen ein.

Gertrud übt den Lotussitz,

Ich denk mir:

schön ist's hier.


Ich hab genug vom Griesgram,

ich kehr zu mir zurück.

Wichtig ist nur Liebe

und ein Stück 

hin zum Glück.


Laß uns beide arm sein,

Dinge bringen Leid.

Sieh doch, wie die Wolken ziehn,

der ganze Schmus

ist bloß ´n Blues.


Kampf auf allen Straßen,

ja, die Welt ist hart.

Mutter denkt an gestern,

und ich pfeif,

das ist life.


Ich will leben, 

wie es mir gefällt,

auch wenn die ganze Welt

aus ihren Angeln fällt,

auch wenn die ganze Welt

aus ihren Angeln fällt.


 


Die Einsamkeit

In den Nächten, diesen Nächten

vermisse ich Gemeinsamkeit,

den Duft von dunklen Frauenhaaren,

das Tasten auf der warmen Haut.

Da sitze ich in dem Gefängnis 

meiner zehn Gebote

und bin bereit, bin so bereit 

nach Küssen und nach Zärtlichkeit.

Mir bleibt in diesen Stunden

ein mir vertrautes Kleid,

es hält mich sanft umschlungen,

die Einsamkeit.



Geh zu den Folterkammern,

in Discos, Bars und Flipperstuben,

folge den aufgeputzten Körpern.

Bist Du reich, dann kauf sie Dir,

vergesse Dich im Licht der Neons.

Götter gaben uns Musik!

Mädchen lächeln nur in Posen,

sie warten noch auf König Frosch 

und rote Rosen.

Und auf den müden Augen

steht stumm: ich bin bereit.

Sie wird es nicht erlauben,

die Einsamkeit


Nimm mich mit, 

es ist Nacht

ja, Du darfst 

endlich denken,

ja, Du darfst 

endlich fühlen,

Nimm mich mit,

es vergeht mein Gesicht

es vergeht dieses Wort

nimm mich mit. 

Halt mich fest,

es ist Nacht, 

ja Du darfst,

keine Angst!

Doch wenn der nächste Morgen

uns seine Sonne leiht,

hält sich in uns verborgen

die Einsamkeit.

 

 


Herren

Sie sind so hart, so ungeheuer lässig

sie weinen nie, und wenn dann unbemerkt.

Sie finden Liebe äußerst nebensächlich

und schätzen Banken, Panzer und ihr Schwert.


Sie geben sich wie strenge Argentinier

sie sind durchblutet wie ein rohes Steak.

Und wenn sie abends ihre alten Lieder

lauthals brüllen, dann hör ich lieber weg.


Sie sind sehr stark, nicht nur in Uniformen,

sie haben Macht, das steht auf jedem Scheck.

Sie schaffen Ordnung nach bewährten Normen,

fließt etwas Blut, erfüllt es seinen Zweck.


Doch wenn sie lieben, dann als Kamerad,

einem Weibe wohlgesinnt,

und sie bocken nur nach Gutsherrenart,

kurz und heftig, aber bestimmt.


Herren, Herren, Herren!


Man sieht sie überall zu allen Zeiten,

ein jeder Herr hat auch noch einen Sohn,

die wollen alle für den Fortschritt streiten,

es sind die Herzschrittmacher der Nation.


Ihr Schreibtisch ist wie eine Guillotine,

sie sind auch Mensch, doch täusche Dich nicht,

denn sie morden mit unschuldiger Mine

ja, der Herr hat auch ein Damengesicht


Herren, Herren, Herren!


Beamte, Gurus und auch Generale

nicht mal im Grabe sehen wir uns gleich.

Die Herrlichkeit trägt eine goldne Schale,

und die heißt Macht, lebendig und als Leich.

Ich will das Wort aus meinem Leben streichen,

den Herren dienen war nie meine Pflicht,

sie mögen doch als Kloaufschriften reichen

es kommt der Tag, der unsere Herzen bricht.


Herren, Herren, Herren!

 

 


Die Melodie

Die Uhr hält niemals an

und doch: er bleibt ihr Mann,

auch wenn er vor ihr aus dem Leben ging.

Sie kennt sein Lächeln noch

und auch sein 'aber doch'

und seinen Mund, an dem sie immer hing.


Doch wenn die Katze schreit

und ihre Einsamkeit 

der einzige Gast ist, den sie nicht mehr braucht,

holt sie sein Paßbild raus

und stellt die Uhr auf 'Aus'

macht das Kästchen mit dem Klingklang auf.


Die Melodie 

vergißt sie nie,

er ist ihr nah, 

so greifbar nah,

die Melodie 

verwandelt sie,

sie kann ihn sehen, 

die Zeit bleibt stehn.


Und sie erinnert sich 

an dieses Kindgesicht,

an jene Nacht, 

die so entscheidend war,

als die Gestapo kam 

und ihren Mann mitnahm,

weil er als Kommunist gefährlich war,

Und jener Leutnant stand 

dort an der rechten Wand

und las die Namen mit den Kreuzchen vor,

und sie sah sein Gesicht, 

und das vergißt sie nicht,

denn seine Stimme hängt ihr noch im Ohr.


Die Melodie 

vergißt sie nie,

er ist ihr nah, 

so greifbar nah,

die Melodie 

verwandelt sie,

sie kann ihn sehen, 

die Zeit blieb stehn.


Die Uhr hält niemals an 

und manchmal denkt sie dran,

daß ihre Zeit längst abgelaufen ist.

Sie lebte nur für ihn, 

sie gab ihm alles hin

und fragt sich heute, 

was sie jetzt noch nützt,

Doch wenn sie stundenlang 

mit Blumen in der Hand

an seinem Grab hockt, lebt er noch für sie,

doch wenn sie müde wird 

und sie ihr Rheuma spürt,

bleibt sie allein mit ihrer Melodie.


Die Melodie 

vergißt sie nie,

er ist ihr nah, 

so greifbar nah,

die Melodie 

verwandelt sie,

sie kann ihn sehen, 

die Zeit blieb stehn.

 


Ach Gnädigste

Da geht sie hin, sie patrouilliert,

herausgeputzt auf zweiundzwanzig.

Sie hat sich mächtig repariert,

die Dame riecht nicht mehr so ranzig.


Sie schleppt Juwelen mit sich rum,

platinbesetzte Sowjetsterne,

ein Fallschirmspringerkampfblouson

trägt sie zur Nacht besonders gerne.


Sie kennt sich aus in Literatur,

von Marx und Krishna kann sie reden.

Sie diskutiert rund um die Uhr

und überholt im Kopf ihr Leben.


Sie sieht die Welt im Kino an,

sie ist von Kopf bis Fuß frustriert

und wartet immer noch auf Tarzan,

der sie aus ihrem Dschungel führt.


Ach Gnädigste,

ach Gnädigste,

mir ist es völlig gleich,

ob sie arm sind oder reich,

alle suchen Liebe.


Da geht sie hin, sie promeniert,

der Regen läßt ein Lächeln gelten.

Sie hat ihr Herz einbalsamiert,

im Spiegel sieht sie es nur selten.

Ein Küßchen hier, ein Küßchen da,

kraftvoll, besonnen, doch dynamisch,

mit Punk im Schrank und Trallala

fühlt sie sich schick und proletarisch.


Sie träumt schon heut' von einem Mann,

mit sehr viel Kopf und süßem Leben,

ach, öffne Dich bourgoiser Sesam

und gebe ihr den goldenen Segen.


Ich hoff', daß bald der Hafer sticht,

und sie fühlt sich richtig betrogen

und schreibt Anarchie hoffentlich

und trennt sich von Idiotologen.


Ach Gnädigste,

ach Gnädigste,

mir ist es völlig gleich,

ob sie arm sind oder reich,

alle suchen Liebe.


 


Weil Du nicht bist wie alle andern

Weil du nicht bist wie alle andern,

weil man dich niemals kaufen kann,

weil mit dir tausend Sterne wandern,

weil du auch Wölfin bist und Lamm.


Weil du noch Mut hast, um zu träumen,

weil in dir Schmetterlinge sind,

und weil du Zeit hast, dich an Bäumen

halbtot zu freuen wie ein Kind.


Weil du das große Abenteuer

wie ein Geheimnis mit dir führst,

weil du nicht satt bist und das Feuer

so vieler Leben in dir spürst.


Weil du nicht bist wie alle andern,

weil man dich niemals kaufen kann,

weil mit dir tausend Sterne wandern,

weil du auch Wölfin bist und Lamm.


Weil Du noch in dir suchst und zweifelst,

auch wenn du dich dabei verlierst,

und deine Grenzen überschreitest

und weil du Recht hast, wenn du irrst.


Weil du Verbote einfach ausläßt,

weil du Gesetze haßt wie ich,

weil du dich täglich etwas losläßt,

weil du die Schatten kennst vom Licht.


Weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof,

aus dem ein Zug auf Reisen geht.

Und meine Stimme sagt: fahr nicht los,

wenn du für immer von mir gehst.


Weil du nicht bist wie alle andern,

auch wenn du ausgehst wie das Licht,

und mit dir tausend Sterne wandern,

weil es dich gibt, liebe ich dich.

 


Sie nennen mich Tunte

Wenn meine Boa, als Vorhang zur Nacht

einer Schlange gleich an mir entgleitet,

bin ich ein König, verstoßen, verlacht, 

in den prächtigsten Farben gekleidet.


Für Dich, Geliebter, verschenke ich mich,

ich bin Medea und bin der King Lear.

Spuck der Moral in ihr blasses Gesicht,

denn weil wir uns lieben, lügen wir.


Sie nennen mich Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwules Schwein

Tunte

(laß sie reden, was gäben sie darum, 

einmal so wie du zu sein)

Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwule Sau

Tunte

(laß sie reden!)

weil ich ein Mann bin und eine Frau.


Für Dich verschenke ich mein Lachen,

für Dich bin ich gekleidet wie ein Pfau.

Meine Welt sind ein paar bunte Lappen,

mein Himmel aus Papier, der bleibt auch blau.

Mit Dir zusammen leb' ich einen Traum

und spuck der ganzen Plastikwelt ins Gesicht,

ich pflücke uns das Äpfelchen vom Baum,

Adam und Eva werden froh.


Sie nennen mich Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwules Schwein

Tunte

(laß sie reden, was gäben sie darum, 

einmal so wie du zu sein)

Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwule Sau

Tunte

(laß sie reden!)

weil ich ein Mann bin und eine Frau.


Liebe mich, mein Freund, sei ohne Zügel,

laß sie bellen, sie bellen doch aus Angst,

Verbote beschneiden ihre Flügel,

sie hassen doch ihr Loch, sie hassen ihren Schwanz.


Zauberer in Moschus und in Leder,

die Nacht bittet uns Liebende herein.

Ich will Liebe und das Glück wie jeder

und wage es, ein anderer zu sein.

Sie nennen mich Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwules Schwein

Tunte

(laß sie reden, was gäben sie darum, 

einmal so wie du zu sein)

Tunte

(laß sie reden!)

Tucke, Homo, schwule Sau

Tunte

(laß sie reden!)

weil ich ein Mann bin und eine Frau.


Tunte

(laß sie reden)

Tucke, Homo, schwules Schwein

Tunte

(laß sie reden, was gäben sie darum, 

einmal so wie du zu sein)

Tunte

(laß sie reden)

Tucke, Homo, schwule Sau

Tunte

(laß sie reden)

weil ich ein Mann bin und eine Frau.


 


Salambo

Ich bin Kellner hier in diesem tollen Schuppen,

wenn das Licht ausgeht, beginnt 'ne heiße Schau

Aus der ganzen Welt beziehen wir die Nutten,

doch die wenigsten davon sind eine Frau.


Von der Sitte kommen jeden Abend Herren,

falls sich einer von den Gästen mal beschwert,

doch die Prominenz läßt sich davon nicht stören,

auch Minister haben hier schon mal verkehrt.


Alle sind bei uns zu jeder Zeit willkommen,

sogar Gruppenreisen werden arrangiert,

fühlt sich einer von den Herren leicht benommen,

wird er sanft in einen Nebenraum geführt.


Heute Nacht zeigt sich vor all den feinen Leuten

die Moral ganz ungeschminkt, doch völlig nackt

auf den Brettern die die geile Welt bedeuten,

zieht sie Gesichter, die man nur zu Hause macht.


Die Bühne frei für Sodom und Gomorrha,

Graf Porno ist bereit für jeden Ritt,

Dornröschen fällt vor Abscheu in Sexstasia,

aber alle klatschen wie die Blöden mit.


Und ich kellner hier, sie kennen mich ja schon,

doch um 12 bin ich die Spitzenattraktion,

dann heiß ich Claudia und tanze die Fandango,

im Salambo.


Wo die Liebe auffällt, hinterläßt sie Spuren,

denn sie musiziert bestimmt keinen Choral,

unter all den schönen Strichern und den Huren,

fühlen Spießer und Studenten sich normal.


Hier gibt´s Zwerge und dressiert Pekinesen,

schlanke Tänzer steigen in das Lotterbett,

Ledermänner, Gummidamen, Fabelwesen,

doch die schlimmsten davon sind aus dem Parkett.


Legionäre kommen von den fernsten Küsten,

um dabei zu sein bei unserm tollen Fest,

manche treiben es sogar mit Polizisten,

und bezahlen noch dafür, daß man sie läßt.


Ich steh´meistens hinterm Vorhang an der Rampe

und pass auf, daß alle ächzen, knutschen, schrein

nur benimmt sich einer wie 'ne echte Schlampe,

dann werd' ich auch privat und hau ihm eine rein.


Die Königin bei uns ist Josefine

sie ist so etwas wie die Heilige Nacht,

und jeder starrt ergriffen auf die Bühne,

wenn der Engel seine Kerzennummer macht.


Und ich kellner hier, sie kennen mich ja schon,

doch um 12 bin ich die Spitzenattraktion,

dann heiß ich Claudia und tanze die Fandango,

im Salambo.

 

 


Eine Insel

Ich habe mich sooft verloren,

zieh' von Ort zu Ort,

nirgendwo bin ich zuhause,

laufe vor mir selber fort.

Ich suche deine Liebe

und ziehe mit dem Wind,

um dich zu finden,

meine Insel.


Eine Kraft, die alles ändert,

eine Kraft, die Lachen bringt,

eine Kraft, die uns gehörte,

die nur noch verhalten klingt.


Ich suche deine Liebe

und ziehe mit dem Wind,

um dich zu finden,

meine Insel.


Eine Insel im Meer,

so stark in meinen Träumen,

wie sehn' ich mich nach ihr,

nach einem festen Platz.

Mein Eiland, mein Schutz,

meine Liebe zu ihr 

bleibt ungenannt

und tiefer als das Meer.


Die Insel ist in Dir und mir,

das weiß ich schon so lang',

wo nehmen wir die Werte her,

wie fangen wir neu an?


Ich habe nicht gelernt zu lieben,

ziehe mit dem Wind,

um Dich zu finden, meine Insel.


Eine Insel im Meer,

so stark in meinen Träumen,

wie sehn' ich mich nach ihr,

nach einem festen Platz.

Mein Eiland, mein Schutz,

meine Liebe zu ihr bleibt ungenannt

und tiefer als das Meer.


 


Die Frau am Fenster

Sie stand am Fenster in der Küche

sie war ganz nackt und mattes, fahles Licht

kam aus dem Nachbarhaus von gegenüber,

fiel ihr auf Schultern, Brüste und Gesicht.


Doch aus den Augen flossen Tränen,

sie war so schön, als hätt' sie grad' geliebt,

und auf dem Rücken stand in unsichtbaren Lettern:

Ich bin ein eingesperrtes Tier, das nie mehr fliegt.


Sie ging zum Spülstein, nahm das Wasser

wusch sich die Schenkel, zwischen ihnen auch,

legte den Kopf ins frisch geweißte Handtuch

und sich die Hände auf den kalten Bauch.


Und horchte nach, ob sie noch da wär',

ob's da was gäbe, was ihr ähnlich sei,

doch was sie fand, war nur sein Name,

und der Geruch von ihm, der blieb ihr weiter treu.


Und in die Küche kroch der Abend

und brachte etwas Dämmerung,

sie zog sich an und ging ans offene Fenster,

hörte ihn rufen, doch drehte sich nicht um.


Sie horchte nach, ob sie noch da wär',

ob's da was gäbe, was ihr ähnlich sei,

doch was sie fand, war nur sein Name,

und der Geruch von ihm, der blieb ihr weiter treu.


Sie horchte nach, ob sie noch da wär',

ob's da was gäbe, was ihr ähnlich sei,

doch was sie fand, war nur sein Name,

und der Geruch von ihm, der blieb ihr weiter treu.

 

 


Wenn ich sing'

Und du hast Pferde gekauft, oben im Norden Bamians,

hast die Mädchen aus Frankfurt gesehen,

die ihre Wünsche in die staubige Straße spuckten.

Die wollten weiter zu den Gurus nach Goa,

und duwarst viele Joints unterwegs von Pancho nach Tschakcheran

und bist dir kein Stück näher gekommen.


Und du hast in dir gesessen, viele Nächte im klaren Frost,

den Ochsen in dir gesucht, bis er oft greifbar nah war,

warst auf den Märkten von Stambul und in den Kneipen von Ivalo,

mal vegetarisch, mal steakversessen

und bist dir kein Stück näher gekommen.


Und hattest Träume von Castaneda und Bloch,

hast dich in den Nächten wie´s trunkene Schiff durch Sehnsüchte gewälzt,

mit fremden Körpern die Scham bekämpft.

Die suchten in dir, was du suchtest,

und du hattest am nächsten Morgen den faden Geschmack von Kastanien

und bist dir kein Stück näher gekommen,

und standest sooft an der Wand, mit dem hochmütigen Blick des Richters,

du wärest zu gern beteiligt gewesen an der Spontaneität der anderen,

hattest immer ein ‚Aber' bereit,

sprangst dann doch mitten hinein ohne zu denken,

erlebtest ein paar Momente des Glücks

und warst minutenlang du.


Wenn ich sing' ist ein Mantra in mir,

wenn ich sing', dann sing' ich mit dir,

wenn ich sing', wenn ich sing',

wenn ich sing', dann bin ich mir nah.


Wenn ich sing' ist die Angst nicht mehr da,

wenn ich sing' wird ein Augenblick wahr,

wenn ich sing', wenn ich sing',

wenn ich sing', dann bin ich dir nah.


Wenn ich sing' singt alles heraus,

was kaputt, verboten, zerschlagen, im Aus,

wenn ich sing', wenn ich sing',

wenn ich sing', dann bin ich dir nah.


Wenn ich sing' singt mein Kopf,

mein Schwanz und mein Herz,

wenn ich sing', singt die Hoffnung, 

der Krampf, mein Schmerz,

wenn ich sing', wenn ich sing',

wenn ich sing', dann bin ich dir nah.


Wenn ich sing' fliegt ein Stück Unterdrückung heraus

wenn ich sing' werden Stimme und Worte zur Faust,

wenn ich sing', wenn ich sing',

wenn ich sing', dann bin ich dir nah.


Wenn ich sing' sing' ich mit Papa Villon,

mit B.B und Robert und mit Rimbaud,

wenn ich sing', wenn ich sing', 

wenn ich sing', dann bin ich dir nah.


Wenn ich sing', weiß ich immer noch nicht, warum 

ich sing', ich weiß nicht, vielleicht 

wenn ich sing', wenn ich sing', 

wenn ich sing', dann bin ich dir nah,

wenn ich sing', dann bin ich mir nah

wenn ich sing' singst du.