Die Berliner nennen ihn gerne liebevoll den "kleinen Prinzen", für die anderen - die Kritiker - ist er der "Teestuben-Liedermacher". Ein wenig erinnert er manchmal an eine Mischung aus Harald Juhnke und eine etwas verknautschte Version von Tim Robbins. Sein (Sänger)-Freund Reinhard Mey beschrieb ihn als einen "Magier der Worte". Und Musik-Kritiker nennen ihn schon mal gerne "einen gut rasierten Paolo Conte".

Doch letztendlich ist er einfach eines: Klaus Hoffmann - Sänger aus Berlin. Und da er sich nicht gerne mit anderen vergleichen läßt und er dies eigentlich auch nicht nötig hat, so möchte ich nun auch ganz und gar bei ihm zu bleiben. Ohne Vergleiche. Hoffmann pur.

Damals in Berlin fing es wohl an, 1968. Da absolvierte er gerade seine Lehre in der Stahlbranche. Lernte Kaufmann. Keineswegs ein unüblicher Beginn für eine Künstlerlaufbahn. Bei Mey war es genauso- der Beginn hieß da Schering. Das Leben nach der Stechuhr war sicher eine Qual. Aber er hatte gelernt, daß man beendet, was man angefangen hat. Das tat er dann auch. 3 lange Jahre lang. Und er ist Klöckner noch bis heute dankbar, auf seine Art, für diese Zeit, da sie ihn mit "erzogen" haben. Seine Herkunft hat er nicht vergessen. In dieser Zeit entstanden vielleicht auch die ersten Geschichten für seine Lieder, umgeben von dem kaufmännischen Alltag, auf den Fluren im Gespräch mit den anderen Lehrlingen, den Sekretärinnen, die damals seine Texte tippten und den vielen anderen "ganz normalen Leuten", von denen er einer unter vielen war. Damals. Und doch für lange Zeit.

Abends war da eine andere Welt. Da trat er dann auf in den kleinen Clubs in Berlin, mit rasendem Herzen und einer Heidenangst. Er hatte angefangen, seine Gedanken aufzuschreiben, in ersten Liedern. Und er wollte gehört werden.

Ende der Sechziger - da brannte es in den Straßen von Berlin und anderen Großstädten. Die Jugend war in Aufruhr und warf mit politischen Parolen um sich. Ablehnung der Elterngeneration, der Bigotterie und des Kleinbürgertums. Politische Lieder hatten in Deutschland ihre Blütezeit. Und mitten in Berlin stand ein junger Kerl auf der Bühne und setzte seinen Zuhörern etwas entgegen: Gefühl. Keine Politik. Kritik ja, aber verhalten, in kleine Geschichten verpackt. Er war kein Mitläufer, sang nicht, was andere vielleicht hören wollten, sondern begann gerade seinen eigenen Stil zu finden und über das zu singen, was ihn bewegt, über die Leute, denen er begegnete Ganz nach Bob Dylan. "Sing, was Dich bewegt und Dir gerade einfällt". Frei nach Schnauze sozusagen. Und vielleicht gab es damals auch schon die ersten Berührungen mit dem eigenen Seelenleben. Vor allem lernte er aber in dieser Zeit auch die großen Franzosen und ihre Chansons kennen und lieben und sang sie auch - Brel, Ferré...das sollten seine Vorbilder werden neben Rimbaud, die Beatles, Bob Dylan oder dieser junge Sänger, der mit einem Lächeln seine Kritik verteilte - Reinhard Mey.

Das Publikum dankte ihm für diese Texte. Er erreichte, was er zugleich vielleicht so gefürchtet hatte: Man hörte ihm zu. Wahrscheinlich wurde zu der Zeit ein Grundstein gelegt, ein Weg gefunden, den man begehen wollte. Das Ziel war sicher unklar, aber der Weg war geebnet. Der erste Weg.

Wie schwer es allerdings ist, bis ein Name ein Begriff wird, das macht ein Konzert von 1969 deutlich. Zu der Zeit hatte Hoffmann einen Auftritt im Hilton-Hotel. Das Plakat kündete einen ominösen Klaus Dierenhoff an. Und auf Fotos von damals sieht man einen jungen Mann mit kurzen Haaren, Anzug und Krawatte (!) und einem Schnäuzer. Ein wenig sah er dort aus wie ein Spanier. Die Namensänderung war sicher nicht in der Form beabsichtig, wie bei Brel z.B. der für einige Zeit als "Berel" auftrat, und sich erst nach Kämpfen mit dem Vater wieder zu seinem richtigen Familiennamen durchrang.

Mitte der Siebziger hörte man dann das erste Mal landesweit etwas von Klaus Hoffmann. Seine erste LP erschien. Der Titel schlicht - "Klaus Hoffmann". Das Cover erinnerte an den jungen Edgar Wibeau, den er fast zur selben Zeit noch gespielt hatte. Absicht der Produzenten? Lange, lockige Haare, bockiger und bodenlos verträumter Blick, zum Sprung bereit. Das Bild hatte er nie gemocht. Weil er dort aussah wie ein Teenie-Idol. Ja, ja, aber das war er auch genau zu dieser Zeit. Eine Art Kult-Figur, ein Idol.

Die Lieder auf der LP spiegelten das wieder, was er liebte. Denn lügen konnte er nicht, wollte er auch nicht. Da waren die ersten Gehversuche mit Brel-Interpretationen oder Texte, die gerade den Brel-Liedern in ihrer Ausdrucksweise in nichts nachstanden und ihnen ähnelten. Er erzählte einem Geschichten von dem König der Kinder - einem armen Bettler, der nur Achtung bei den Kindern findet - von der schönen Gerda, der hochnäsigen Sarah und der gepeinigten Anna Pollinger. Seine Lieder zu der Zeit sind kleine Geschichten, die völlig zeitlos sind. Sie könnten genauso gut heute irgendwo auf dem Lande spielen, manche könnten aber auch im letzten Jahrhundert stattfinden. Seine Texte sind nicht wirklich wertend, mehr erzählend, fabulierend. Und seine zahlreichen Brel-Interpretationen - gerade auf dieser ersten LP zu finden - waren nicht nur einfach Gehversuche - nein, man merkte, wie sehr er in den Texten dieses Belgiers aufging. Der Über-Vater Brel war stark, aber er engte ihn nicht ein, wirkte eher fördernd, inspirierend. Vielleicht die Machete auf dem noch verwilderten Weg.

Damals, 1975, gelang Klaus Hoffmann in zweifacher Hinsicht der Durchbruch: Als Sänger und als Schauspieler. In diesem Jahr gab es auch den ersten richtigen Konzertauftritt - kein "kleiner Club" in Berlin, sondern der Malersaal im Hamburger Schauspielhaus.

Wie wenig er jedoch Idol sein wollte, das merkte man bei dem nächsten Album, das schon gleich im nächsten Jahr, 1976, erschien (Was bleibt?). Da war kein Wibeau mehr, kein Lockenkopf. Hoffmann sah um Jahre gealtert aus, mit kürzeren Haaren, ohne Blue-Jeans-von-oben-bis-unten-Look. Vielleicht wollte er einfach, daß man ihm mehr zuhört und nicht nur auf sein Äußeres schaut. Weg vom Wibeau, hin zu Hoffmann.


Was bleibt? - 1976

Und falls es so gedacht war, dann ist ihm das damals auch sicherlich ein Stück weit gelungen. Der Wibeau, der blieb sicher noch lange "an ihm kleben", aber Klaus Hoffmann - er war sicher wesentlich präsenter. "Blinde Katharina", mit ihr schaffte er sich seinen eigenen Mythos. Ohne es wohl wirklich zu wollen. Etwas, das auch so gar nicht zu ihm passt. Genau genommen kam er damit wohl vom Regen in die Traufe. Der Wibeau war weiter weg und der Mythos Hoffmann war da. Aber kurze Haare können nicht wirklich etwas verändern, wenn der Sänger genau den Nerv des Publikums trifft. Und das tat er. Mit seinem "Feuervogel", den ich eigentlich gar nicht romantisch fand, sondern eher bedrohlich, so wie Falcos "Jeanny", dessen Sinn ich erst viel später verstanden habe. Mit diesem ersten Lied von ihm, das er gar nicht immer mochte, aber das mich so oft lockte. Mit der Blinden Katharina, die Frau, die im Dunkeln steht und einem direkt in die Seele blickt und einem "Geh nicht fort von mir" - nein, man wollte spätestens da bleiben. Diesem blonden Barden zuhören. Sich in andere Zeiten träumen, in diesen Geschichten aufgehen und etwas von ihnen mitnehmen. Dieser Sänger hatte so viel zu sagen.